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Eine echte Herausforderung: Alte Eltern wie Kinder betreuen, aber nicht behandeln

Mama vernachlässigt ihre Hygiene. Papa fährt trotz Rotlichtes an der Ampel los. Die Eltern verlieren mehr oder weniger die Kontrolle über ihr Leben. Nur selten gelingt es den Kindern, das Gespräch darüber anzustoßen und so zu führen, dass eine respektvolle Lösung gefunden wird. Die muss aber her. Und sie kann gefunden werden, wenn man sich über einige Aspekte klar wird.

Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist emotional stark aufgeladen – positiv wie negativ

Es verändert sich je nach Lebensphase. Wir erinnern uns: Der kleine Mensch liegt schutzbedürftig in unseren Armen. Man empfindet zugleich Glück und Angst. Machen wir jetzt alles richtig? Und immer wieder folgen wir einfach unserem Impuls. Trösten, lachen, füttern, wiegen, schimpfen, loben, streicheln … die Eltern nehmen eine Haltung ein. Sie erziehen ihr Kind in jeder Sekunde, sogar wenn sie nichts tun. Ein Anachronismus: den Höhepunkt der Beziehung bildet die Pubertät. Man löst sich von einander und spürt dann genau, wie eng die Bande sind. Daraus erwächst große Spannung. Wohl dem, der dann Ruhe bewahrt und Überblick behält. Sie fragen sich: Was hat das mit Senioren zu tun? Eine Menge! Im letzten Lebensabschnitt kommen Eltern und Kinder wieder zusammen.Egal wie Kindheit und Pubertät verliefen, wie gut oder schlecht das Verhältnis zueinander ist: Jetzt bildet sich die Beziehung neu.

Wie tickt die Generation?

Verhaltensmuster zwischen Eltern und Kindern zeigen bestimmte Schemen. Sie existieren aus sich selbst heraus. Dazu gehören beispielsweise Schutz oder Konkurrenz. Auf der anderen Seite sind wir immer Kinder unserer Zeit. Das heißt: Jeder ist in seiner Generation verwurzelt, durch sie geprägt und das beeinflusst den Umgang in Fragen der Pflege.Heute, da dieser Blogbeitrag geschrieben wird, sind die „Alten“ eine Generation, die im Krieg geboren oder jugendlich war. Die „Jungen“ verkörpern die Post-68er-Generation. Da trifft „Wir kämpfen uns da durch“ auf „Lass uns erstmal drüber sprechen“. Stummes Aushalten und angeregte Diskussion – kann das zusammen passen? Und so war es schon immer! Kinder und Eltern gehören zu unterschiedlichen Generationen. Wer diesen scheinbar schlichten Fakt realisiert und ihm Gewicht beimisst, ist einen großen Schritt weiter.

Die Kinder können vor dem soziologischen Hintergrund fragen:

  • Wie definiert sich Mutter oder Vater?
  • Welche Werte vertreten sie?
  • Wie selbstkritisch sind sie?

Die Nachkommen sind die beweglichen, orientierten, handlungsfähigen Partner in dieser Phase. Darum müssen sie diese Fragen stellen, beantworten und Lösungen suchen.

Die Zeit der zweiten Pubertät

Bei aller Last, Angst und Sorge, wenn sich die Eltern im Alter verändern: Diese Entwicklung birgt eine große – oft nicht erkannte – Chance für die erwachsenen Kinder: Sie können jetzt auf Augenhöhe mit ihren Eltern kommunizieren. Die Eltern sind nicht mehr perfekt (waren es eigentlich nie, was ein Kind erstmal nicht erkennt und so die Fähigkeit für Vertrauen ausbilden kann). Ihre Vorbildfunktion ist vermindert. Vielleicht treffen sie sogar unvernünftige Entscheidungen. Aber sie sind selbstständige Wesen. Wer das als erwachsenes Kind akzeptiert, befreit sich von einer großen Last. Das Unperfekte des Alters zulassen, heißt Mutter oder Vater als Mensch zu akzeptieren und sich selber als eigenständiges Individuum zu definieren.Es ist wie eine zweite Pubertät unter umgekehrten Vorzeichen. Die Eltern „machen Unfug“, sind unberechenbar, passen nicht in die Norm – speziell wenn sich eine demenzielle Veränderung einstellt. Wer jetzt die Größe hat, diese Veränderung anzunehmen, hat viel Energie gespart und Nerven geschont. Und es bedeutet nicht, die Eltern ihrem Schicksal zu überlassen – im Gegenteil. Zu beachten ist: Freunde und Bekannt, ja sogar Geschwister, verstehen diesen entspannten Umgang vielleicht nicht. Es erfordert Selbstbewusstsein, die alten Eltern gewähren zu lassen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit mit ihnen im Kontakt zu bleiben. Dazu mehr im nächsten Abschnitt

Wer bedrängt wird, macht dicht

Die Eltern werden alt aber nicht unempfindlich für Emotionen. Sie spüren sehr deutlich die Verluste – auf allen Ebenen … Freunde sterben, das Augenlicht verlischt, die Orientierung versagt. Diese Erfahrungen drängen in eine inferiore Rolle. Man ist kein Entscheider mehr. Und dann servieren die Kinder noch „schlaue“ Lösungen! Da ist die Konfrontation vorprogrammiert. Erwachsenen Kindern wird jetzt einiges abverlangt: Sie machen sich Sorgen, schämen sich vielleicht sogar, suchen nach neuen Arrangements und sollen dann auch noch gelassen sein.Ja, genauso ist es. Sogar wenn das Verhältnis zu den Eltern nicht gut ist. Wer in dieser angespannten Lage versucht, alte Konflikte zu lösen, wird scheitern. Wie soll Mutter oder Vater aus einer geschwächten Position heraus zugeben, dass dies oder das in der Vergangenheit schlecht gelaufen ist? Es gibt keinen „großen Aufwasch“ mit dem Seniorenbetreuung und Kindheitsverletzungen praktisch und auf einmal bewältigt werden.

Sich früh abstimmen oder später die Gunst der Stunde nutzen

Glücklich ist, wer sich früh mit seinen Eltern über die Perspektiven im Alter austauscht. Neben Formalien wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht sowie testamentarische Verfügungen spielen atmosphärische Abstimmungen eine große Rolle. Fragen Sie: Wo willst du leben, wie willst du sterben, wer soll dich begleiten? Beide müssen mutig sein, darauf zeitig Antworten zu fordern und zu geben. Das gelingt selten.Wer auf die Kraft der Zeit setzt, wird von den Ereignissen erdrückt. Eine  24-Stunden-Pflege kann für Entspannung sorgen. Der Vorteil: Sie passiert im gewohnten und geliebten Umfeld der älteren Person. Ein Kompromiss auf den man sich eher verständigen kann als auf eine Heimunterbringung. Ist der Versorgung mit diesem Dienst eingerichtet, gibt es wieder Raum für Kommunikation.

Das Fazit im Bezug auf Pflege der Eltern: So früh wie möglich

  • die eigene Belastbarkeit prüfen
  • Geschwister und Freunde ansprechen und einbinden
  • mit den Eltern das offene Gespräch in ritualisierter Weise suchen.

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